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02.03.2018, 14:22 Uhr

Deutsch ins Grundgesetz?


Mit ihrem Antrag, Deutsch als Landesprache im Grundgesetz zu verankern, hat die AfD einmal mehr ihre Scheinheiligkeit unterstrichen. Ausgerechnet die Partei, die im Wahlkampf ihre Flyer in russischer Sprache verteilt hat und auf ihrer Homepage ihr Grundsatzprogramm auf Russisch präsentiert, versucht sich hier als Hüter der deutschen Sprache und der deutschen Kultur aufzuspielen. Der Antrag auf Änderung des Grundgesetzes stieß am Freitag bei allen anderen Fraktionen im Deutschen Bundestag auf Widerspruch. Er wurde zur weiteren Beratung in den Innenausschuss überwiesen.

 
In ihrem Antrag argumentiert die AfD, dass die deutsche Sprache in Gefahr sei, weil sie einer Verdrängung durch andere Sprachen ausgesetzt sei. Es ist richtig, dass Anglizismen derzeit weit verbreitet sind. Das hat seinen Ursprung in der Begeisterung der jungen Generationen seit den 50-er Jahren für Jazz- und später Beat-Musik. Wer empfindet das Wort Club heute noch als Anglizismus? Oder Computer?
 
Fremdsprachliche Einflüsse hat es zu allen Zeiten gegeben. Vor dem Englischen war es das Französische. Und dass das Wort Fenster aus dem lateinischen „finestra“ stammt, ist wohl auch nur ganz wenigen bekannt. Sprache ist etwas Lebendiges, das genau wie jede Gesellschaft einem ständigen Wandel unterliegt. Das zu negieren heißt den Fortschritt unterdrücken – was allerdings noch keine Gesellschaft und kein Regime geschafft hat. 
 
Durch ein paar Fremdwörter oder ein paar Anglizismen geht die deutsche Kultur nicht verloren, wie es die AfD beschwört. Weder die deutsche Sprache noch Deutschland gehen unter, wenn es Änderungen in der Grammatik gibt, wenn also heute nach „während“ und „wegen“  der Dativ gebraucht statt des Genitivs. 
 
Nichts spricht gegen die Verankerung der deutschen Sprache in unserem Grundgesetz, wie es auch der von mir hochgeschätzte frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gefordert hat. Aber alles spricht gegen diese scheinheilige Schaufensterpolitik der AfD, der es nicht um Integration, sondern immer nur um Ab- und Ausgrenzung geht. Nicht mit uns.

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