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03.07.2020, 11:02 Uhr

75 Jahre CDU

 

Die CDU feiert diese Woche 75-jähriges Bestehen, und ich gratuliere herzlich! Ist die Partei nun im Rentenalter angekommen und gehört in den Ruhestand? Im Gegenteil, meine ich: Die CDU hat einen Markenkern, der bestens geeignet ist, um die Zukunft zu gestalten.

 
Die Union ist lebendig – allein in der Kommunalpolitik engagieren sich aktuell 75.000 CDU-Mitglieder für gute Politik vor Ort. Dazu kommen noch viele mehr, die sich in unseren Verbänden mit ihren Ideen und ihrer Energie einbringen. Auch die Bürger fühlen sich überwiegend in dieser schwierigen Zeit verantwortungsvoll regiert, die Umfragewerte sind hoch – Rezo’s „Zerstörung“ und anderen Unkenrufen über das Ende der Volksparteien zum Trotz. Doch wie steht es um die Zukunft unserer Partei?
 
Frei nach Adenauer kann eine Partei ihre Gegenwart und Zukunft nur gestalten, wenn sie ihre Vergangenheit versteht und daraus ihre Lehren zieht. Ich meine: Unsere Gründungsgeschichte und unser Kern als Volkspartei bieten Antworten für morgen.
 
In der Weimarer Republik gab es viele kleine Parteien, die Einzelinteressen vertraten – das hat das demokratische System geschwächt und auch die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ermöglicht. In Abgrenzung dazu wurde die CDU 1945 als breite Partei gegründet, die möglichst viele Menschen und Strömungen aufnehmen sollte. Sie bündelte christlich-soziale, demokratische, liberale und konservative Kräfte. Auch die überkonfessionelle Ausrichtung – die Vereinigung von katholischen und evangelischen Mitgliedern – war damals ein neuer und mutiger Schritt.
 
Diese unterschiedlichen Gruppen konnte man nicht durch feste Programme und Positionen einen. Aber sie einigten sich auf einen Kompass, der ihre Politik leitet: das christliche Menschenbild. Der Mensch ist frei, hat eine unveräußerliche Würde und ist zur Nächstenliebe und Solidarität berufen.
 
Ob Arbeiter, Unternehmer oder Beamter – alle sollten auf dieser Grundlage an einen Tisch finden und einen Kompromiss erarbeiten, der für alle tragbar ist. Durch diese innere Vielfalt und Willensbildung konnte die CDU Politik in den letzten Jahrzehnten nah am Menschen machen.
 
Heute haben wir eine völlig verändere Gesellschaft, die in Bewegung bleibt: Orte, an denen sich Menschen mit unterschiedlichen Berufen, Lebenswegen und Einstellungen treffen und ins Gespräch kommen werden weniger. Traditionelle Vereine, Kirchen, Gewerkschaften und auch Parteien haben Nachwuchssorgen. Soziale Medien wirken als Echokammern der jeweils  eigenen Wirklichkeit und Überzeugungen. Populisten spielen einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander aus – befeuern die Sorge, ob der Kuchen für alle reicht. Gleichzeitig gibt es eine Sehnsucht nach gesellschaftlichem Zusammenhalt und mehr Miteinander.
 
Hier liegt unser Potenzial! Suchen wir noch stärker als bisher den Dialog mit Mitgliedern und das Gespräch mit Bürgern. Nicht nur dort sein, wo wir gewählt werden, sondern auch da sein, wo wir schon lange nicht mehr gesehen wurden. Wir können ein Forum bieten, um Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen und Ansichten zusammenzubringen, die aber die gleiche Grundüberzeugung eint: das christliche Menschenbild. Wir können sie
zusammenbringen, den Dialog auf Augenhöhe ermöglichen und respektvoll nach Kompromissen zu suchen. Das Ergebnis ist gute Politik, die alle mitnimmt. Unser Kern als Volkspartei bietet uns alle Chancen.
 
Allerdings müssen wir uns bemühen, die „Volkspartei“ mit mehr Leben zu füllen. Unser Volk besteht zur Hälfte aus Frauen, aktuell ist nur ungefähr ein Viertel unserer Mitglieder weiblich. Mehr Menschen mit Migrationshintergrund sollten ihre politische Heimat bei uns finden. Und auch Alter ist ein Thema: Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder beträgt 60 Jahre – auch bei steigender Lebenserwartung wird die Teilhabe junger Mitglieder langfristig
zur Existenzfrage. Diese Gedanken treiben auch mein eigenes Engagement an. Ich will, dass mehr unterschiedliche Menschen bei uns mitmachen. Denn Vielfalt war unsere Stärke in der Vergangenheit und ist es auch in unserer Zukunft!
 
Ausgrenzende Debatten und Streitigkeiten über die Deutungshoheit in der CDU schaden uns auf diesem Wege nur. Die Erzählung vom Linksruck der CDU ist genauso falsch wie die der rückwärtsgewandten Konservativen – die CDU war immer christlich-sozial, konservativ und liberal zugleich. Das ist ihr Kern. Das wird ihr Kern bleiben.
 
Ich freue mich die Zukunft unserer Volkspartei mitzugestalten und im Kleinen ein Bindeglied zu sein für alle, die Lust haben Politik zu entdecken. Gemeinsam können wir weiter an dem Gründungsziel der Union arbeiten und „Trennendes zurücktreten zu lassen“!
 
Skrollan Jula Olschewski
 

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